Das britische Reise- und Geschichtsportal loveEXPLORING hat diese Liste auf der Grundlage einer Expertenentscheidung zusammengestellt, bei der aus jedem europäischen Land das schönste Gebäude ausgewählt und anschließend in eine Rangliste eingeordnet wurde.
Die 10 schönsten architektonischen Bauwerke Europas laut Rangliste:
1. Platz: Das ungarische Parlamentsgebäude – Budapest, Ungarn
Erbaut: 1885–1902
Architekt: Imre Steindl
Anno: Das Hauptwerk des Architekten Steindl ist das Parlamentsgebäude, dessen Bau im Jahr 1880 durch ein Gesetz der ungarischen Nationalversammlung beschlossen wurde. Damals bestand Ministerpräsident Gyula Andrássy darauf, dass die ungarische Nationalversammlung, ähnlich wie das englische Parlament, ein neugotisches Gebäude erhalten sollte.
- Das nach den Plänen von Imre Steindl zwischen 1885 und 1902 errichtete Gebäude des ungarischen Parlaments/Parlamentspalast ist zugleich ein öffentliches Gebäude, ein nationales Wahrzeichen und ein prägendes Element des Stadtbildes von Budapest. In seinem Grundriss kommen barocke Gestaltungsprinzipien zum Tragen, an der Fassade dominiert vor allem die Gotik, während sich in der Innenausstattung die Formensprache der Renaissance widerspiegelt.
- Das monumentale, symmetrische Gebäude war auch aufgrund seiner Funktion von Bedeutung, da es die beiden Kammern der Nationalversammlung – das Unterhaus und das Oberhaus des damaligen Großungarns – beherbergen musste. Mit der Form der Kuppel in der Mitte brachte der Architekt auch seinen Respekt gegenüber seinem hochgeschätzten Meister Friedrich Schmidt zum Ausdruck, denn er orientierte sich dabei an der Wiener Maria-vom-Sieg-Kirche.
- Die gesamte äußere und innere Gestaltung des Gebäudes wurde ebenfalls nach Steinds Vorstellungen umgesetzt, mit farbenprächtigen Ornamentmotiven, in denen sich auch die Formensprache der ungarischen Nationalarchitektur widerspiegelt.
- In den Skulpturen des Gebäudes wurden große Persönlichkeiten der ungarischen Geschichte dargestellt – sowohl an der Fassade als auch in der Kuppelhalle –, aber auch das Volk des Landes fand durch die Verkörperung verschiedener Handwerksberufe seinen Ausdruck.
- Die feierliche Einweihung des Parlamentsgebäudes fand im Jahr des Millenniums statt; am 8. Juni 1896, dem Jahrestag der Krönung von Franz Joseph, wurde hier die erste Nationalversammlung abgehalten. Erst 1902 konnten die Abgeordneten das Gebäude jedoch für den regelmäßigen Gebrauch in Besitz nehmen; die erste Sitzung fand am 8. Oktober desselben Jahres statt.
- Steindl leitete während des Baus des Parlamentsgebäudes ein riesiges Büro. Die eigentlichen Bauarbeiten dauerten 17 Jahre. Die ununterbrochene Arbeit und die regelmäßigen Auseinandersetzungen mit den Auftraggebern – schließlich musste er über unvorstellbare Geldsummen entscheiden – zehrten an seiner Gesundheit, und er verstarb am 31. August 1902 im Alter von dreiundsechzig Jahren. Leider erlebte er auch die vollständige Fertigstellung des Parlamentsgebäudes nicht mehr; er starb knapp über einen Monat vor der ersten Sitzung am 8. Oktober 1902. Das Hauptbauwerk am Donauufer, eines der schönsten Parlamentsgebäude der Welt, bewahrt jedoch sein würdiges Andenken.
Die kürzlich durchgeführte Renovierung der Fassade und die Neugestaltung des Kossuth-Platzes haben Steindls Gebäude nicht verändert, sondern um es herum erneut ein Umfeld geschaffen, in dem seine ursprüngliche architektonische Kraft besser zur Geltung kommen kann.
Der Austausch und die Restaurierung des ursprünglichen Fassadenmaterials (Kalkstein aus Sóskút) dauerten mehrere Jahrzehnte(!), die letzten großen Außenarbeiten wurden Ende 2013 abgeschlossen. Die Fassadenskulpturen und die detailreichen Steinmetzarbeiten des Gebäudes konnten nun wieder in ihrer ganzen Schönheit zur Geltung kommen. Darauf folgte die vollständige Sanierung des Kossuth Lajos Platzes vor dem ungarischen Parlament. Die Neugestaltung des Platzes wurde 2014 abgeschlossen. Eines der erklärten Ziele des Planungsprogramms war die Schaffung eines repräsentativen Stadtplatzes, der die architektonische Bedeutung des Parlamentsgebäudes betont.
Das Gebäude des ungarischen Parlaments hat in dieser Rangliste Gebäude wie beispielsweise folgende hinter sich gelassen: dem Belvedere-Palast in Wien (Österreich), dem Schloss Chillon in Veytaux (Schweiz), der Abtei Kylemore in Connemara (Irland), dem Trevi-Brunnen in Rom (Italien), die Würzburger Residenz – Würzburg (Deutschland), den Avaz Twist Tower – Sarajevo (Bosnien und Herzegowina), die Abtei Mont-Saint-Michel – Normandie (Frankreich), das Harpa-Konzert- und Konferenzzentrum – Reykjavík (Island), sowie den Königspalast – Amsterdam (Niederlande).
Das Ergebnis macht dennoch eines deutlich: Das Budapester Parlamentsgebäude ist nicht nur für Ungarn ein wichtiges nationales Symbol, sondern im internationalen Vergleich auch eines der bekanntesten und einflussreichsten architektonischen Werke Europas. Die Restaurierungsarbeiten der letzten Jahre haben zudem gezeigt, dass die Bewertung eines herausragenden Denkmals nicht nur vom Gebäude selbst, sondern auch von dessen Zustand, seiner unmittelbaren Umgebung und seiner Einbettung in den städtischen Raum maßgeblich beeinflusst wird.
Quelle: nach „hely“ , loveexploring





























