Basierend auf dem Blog von „Vor 100 Jahren” – Österreich-Ungarn im Jahr 1910 (siehe Karte) – das Vielvölkerreich im Herzen Europas. Wer heute auf die Landkarte Europas blickt, sieht mehr als 40 unabhängige Staaten. Doch vor etwas mehr als 100 Jahren war ein großer Teil Mitteleuropas Teil eines einzigen Reiches – Österreich-Ungarn.
*Zusätzliche Informationen:
Die Österreichisch-Ungarische Monarchie entstand 1867 als Ergebnis des „Ungarischen Kompromisses“, einer Vereinbarung zwischen der ungarischen politischen Elite (vor allem Ferenc Deák und Gyula Andrássy) und dem Kaiser Franz Josef der Erste.
Die Österreichisch-Ungarische Monarchie war der flächenmäßig zweitgrößte Staat Europas (nach dem Russischen Reich). Mit einer Bevölkerung von mehr als 51 Millionen Menschen galt sie als drittbevölkerungsreichste europäische Macht, direkt hinter dem Russischen Reich und dem Deutschen Reich.
Als riesiger geostrategischer und militärgeografischer Block in Mitteleuropa war es zu seiner Zeit eine bedeutende militärische Macht in der Region.
Diese Karte aus dem Jahr 1910 zeigt eindrucksvoll, wie vielfältig die Doppelmonarchie war. Auf ihrem Höhepunkt lebten hier über 50 Millionen Menschen, die mehr als zehn große Volksgruppen angehörten und zahlreiche Sprachen sprachen.
Welche heutigen Staaten gehörten ganz oder teilweise zu Österreich-Ungarn?
- Österreich – fast das gesamte heutige Staatsgebiet.
- Ungarn – der größte Teil des heutigen Landes.
- Tschechien – Böhmen, Mähren und Österreichisch-Schlesien.
- Slowakei – gehörte vollständig zum Königreich Ungarn.
- Slowenien – vollständig Teil der Monarchie.
- Kroatien – der größte Teil des heutigen Kroatiens.
- Bosnien und Herzegowina – seit 1878 von Österreich-Ungarn verwaltet, 1908 offiziell annektiert.
- Polen – der gesamte Süden des heutigen Landes mit Krakau gehörte als Königreich Galizien und Lodomerien zur Monarchie.
- Ukraine – Westukraine mit Lemberg (Lwiw/Lviv), Stanislau (Iwano-Frankiwsk) und der Bukowina gehörte zu Österreich-Ungarn.
- Rumänien – ganz Siebenbürgen (Transsilvanien), das Banat, Crișana und Maramureș gehörten damals zum Königreich Ungarn innerhalb der Doppelmonarchie.
- Italien – Südtirol, das Trentino sowie die Hafenstadt Triest gehörten bis 1918 zu Österreich-Ungarn.
- Serbien – die heutige Vojvodina im Norden Serbiens war Teil des Königreichs Ungarn.
- Montenegro – kleine Grenzgebiete standen zeitweise unter österreichischer Verwaltung, das eigentliche Montenegro gehörte jedoch nicht zur Doppelmonarchie.
Was diese Monarchie so einzigartig machte – schreibt der Autor von „Vor 100 Jahren” auf der Social-Media-Seite –, war ihre enorme kulturelle Vielfalt. Deutsche, Ungarn, Tschechen, Polen, Ukrainer (damals meist als Ruthenen bezeichnet), Slowaken, Slowenen, Kroaten, Serben, Rumänen, Italiener und viele weitere Volksgruppen lebten unter einer gemeinsamen Krone.
Wien entwickelte sich zu einer der bedeutendsten Metropolen Europas. Moderne Eisenbahnlinien verbanden Prag, Brünn, Lemberg, Budapest, Triest und Sarajevo. Die Wirtschaft boomte, Universitäten genossen Weltruf, und Künstler wie Gustav Klimt, Gustav Mahler oder Sigmund Freud prägten diese Epoche.
Doch hinter der glänzenden Fassade wuchsen auch nationale Spannungen. Viele Völker strebten nach mehr Selbstbestimmung oder Unabhängigkeit.
Am 28. Juni 1914 erschoss der serbische Nationalist Gavrilo Princip in Sarajevo den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand und seine Ehefrau Sophie. Dieses Attentat löste die Julikrise aus und wurde zum unmittelbaren Auslöser des Ersten Weltkriegs.
Bereits 1918 zerfiel Österreich-Ungarn. Aus der Doppelmonarchie entstanden oder vergrößerten sich zahlreiche Staaten, darunter Österreich, Ungarn, die Tschechoslowakei und das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen. Polen wurde wieder unabhängig, Rumänien erhielt Siebenbürgen, Italien Südtirol und Triest, während Galizien und die Bukowina ihre Zugehörigkeit wechselten.
**Zusätzliche Informationen:
Nach dem Ersten Weltkrieg wurden gemäß dem am 4. Juni 1920 unterzeichneten Friedensvertrag von Trianon zwei Drittel des Gebiets des historischen Ungarns (fast 71 %) und mehr als ein Drittel seiner Bevölkerung abgetreten. Infolge dieser Entscheidung gingen die abgetretenen Gebiete an die (heutigen) Nachbarländer über.
Das heißt, die dem Königreich Ungarn entzogenen Gebiete gingen an folgende Nachfolgestaaten und neue Länder über:
- Rumänien: Siebenbürgen, das Partium und der östliche Teil der Banat.
- Tschechoslowakei: Oberungarn, Karpatenukraine und Csallóköz.
- Königreich Serbien-Kroatien-Slowenien (später Jugoslawien): Kroatien-Slawonien, der westliche Teil der Banat, Bačka sowie das Baranya-Dreieck und das Mura-Gebiet.
- Österreich: Burgenland (Westungarn).
Infolge des Friedensvertrags gerieten etwa 3,3 Millionen Menschen ungarischer Nationalität (!) jenseits der Grenze, von denen ein erheblicher Teil in zusammenhängenden Gebieten entlang der neuen Grenzen lebt(e).
Betrachtet man diese Karte heute, wird deutlich, wie stark die Geschichte Mitteleuropas bis in unsere Zeit nachwirkt. Viele Regionen besitzen noch immer eine Architektur, Küche und Kultur, die von der Habsburgermonarchie geprägt wurden.
Welche Stadt der ehemaligen Österreichisch-Ungarischen Monarchie würden Sie heute am liebsten besuchen? – Wien, Prag, BUDAPEST, Lemberg, Triest oder vielleicht Krakau?
Quelle: Vor 100 Jahren”, File:Austria Hungary ethnic.svg: ArdadN / *derivative work Furfur – Wikimedia
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